Wochenimpuls

Kaum waren vor zwei Wochen erste Lockerungen in die Tat umgesetzt, begannen Diskussionen über weitere Lockerungen. Mittlerweile ist die Gesprächslage schwer zu überschauen. Vor einer Woche erregte ein Satz von Bundestagspräsident Schäuble Aufsehen, der einer Zeitung sagte: „Wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig.”

Auch die Deutsche Fußball Liga, die Kirchen, die Wirtschaft drängen auf Lockerungen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern weist darauf hin, welche Schäden Kontaktsperren an Leib und Seele verursachen. Sie sagen sinngemäß: Wir müssen auch an den Tod der Menschen denken, die wegen der Sperren sterben oder seelische Not leiden – jüngere und ältere. Andere Wissenschaftler bestreiten das nicht, warnen aber vor weiteren Lockerungen zum jetzigen Zeitpinkt und sagen: Das ist noch viel zu früh. Und der Bonner Philosoph Markus Gabriel sagt einer Zeitung: So ehrlich sollten wir sein: Wir haben längst Leben gegen Leben abgewogen.

Vermutlich sind viele von uns hilflos in der Flut von Informationen, immer neuen Studien und Äußerungen von Experten. Manche sagen schon, Virologen hätten die Demokratie ersetzt. Andere sind froh, dass es sie gibt. Kurz gesagt: Wir alle sind dem ausgeliefert, was uns Tag für Tag gesagt wird. Wir können nur noch hinnehmen, weil unser Wissen am Ende ist.

Und wo uns Wissen fehlt, beginnt unser Vertrauen.

Wir können nur vertrauen: der Politik, den Wissenschaftlern, den Erfahrungen derer, die sich in der Welt umsehen und auskennen. Wir können Ansichten haben, Meinungen, wir können uns fortbilden – aber dann müssen wir vertrauen, dass wir richtig geführt werden durchs eher dunkle Tal, das wir gerade fühlen. In gewisser Weise sind alle Verantwortlichen mehr oder weniger überfordert von dem, was es so in der Welt noch nicht gab. Auch die Verantwortlichen müssen vertrauen, dass ihre Haltung und ihre Pläne richtig sind.

Dabei möge ihnen helfen, dass wir für sie beten. Wir vertrauen sie der Macht Gottes an, der Himmel und Erde geschaffen hat und noch erhält:

Gott, gütiger Vater im Himmel, dir legen wir die Menschen ans Herz, die uns durch das dunkle Tal dieser Zeit führen:

Politikerinnen und Politiker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte, Schwestern und Pfleger, Forschende und Lehrende.

Wir bitten dich: Lenke sie mit deinem Geist, dass sie stets das Wohl aller im Herzen bewahren.

Gott, sei uns Vater und Mutter, damit wir unser Leben in Tapferkeit und Liebe bestehen können, bis du uns heimholst in dein ewiges Reich. Amen.